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Gay Geschichten

Eine schicksalhafte Begegnung - Teil 2

Geschrieben von devpass
Diese Story ist der 2. Teil der Reihe Eine schicksalhafte Begegnung

Diese Story wurde mit dem Reality-Tag getaggt. Das heißt, es kann sein, dass es hier ziemlich emotional und tiefsinnig werden kann und die Story möglicherweise nicht ideal zum schnellen Abspritzen geeignet ist.

Eine schicksalhaft Begegnung Teil 2

Irgendwann werde ich wach und fühle mich sau wohl. Noch nie habe ich so gut geschlafen. Auf den Unterarmen abstützend, richte ich den Oberkörper auf und schaue mich verschlafen um. Das Bett neben mir ist zerwühlt aber leer und ich liege nackt unter einem dicken Federbett. Es ist wohlig warm und genüsslich strecke ich die müden Glieder. Der Bademantel liegt ordentlich zusammen gelegt auf einem Stuhl neben dem Bett. Den ziehe ich an und begebe mich über die Treppe nach unten. Die Wohnung ist leer, Max ist nicht zu Hause. Auf dem Küchentisch liegt ein Zettel, es ist eine Nachricht von Max an mich gerichtet.

„Guten Morgen mein lieber,

Ich bin im Büro, der Kühlschrank ist voll, mach dir bitte selbst etwas zum Frühstück. Heute Nachmittag bringe ich was vom Chinesen mit, fühl dich wie zu Hause und probier solange die Playstation aus, bis ich zurück bin.

Bis dann Max

Ein Blick in den Kühlschrank bestätigt, dass er mehr als gut gefüllt ist. Wurst und Käse sind separat nach Sorten verpackt und ich erkenne sofort, dass es keine einfache Ware aus dem Supermarkt ist. Auf eine der Verpackungen steht der Name des Geschäftes und es ist ein Feinkostladen. Genüsslich stecke ich mir eine Wurstscheibe in den Mund und sofort fließt mir das Wasser im Mund zusammen. Der Geschmack ist einfach unbeschreiblich und ich genieße den Moment des Luxus mit geschlossenen Augen.

Danach mache ich mir einen Teller mit Schnittchen und jedes mit einer anderen Wurst oder Käsesorte. Dazu nehme ich eine Tüte Vollmilch, die ich direkt aus der Verpackung trinke und begebe mich ins Wohnzimmer. Im Schrank finde ich eine ganze Reihe mit coolen Spielen. Ich entscheide mich für ein Autorennspiel und starte die Anlage. Max hat recht, auf der großen Leinwand und dem Sound ist das Zocken echt geil. Damals als ich noch die Schule schwänzte, habe ich oftmals die Zeit in Kaufhäusern totgeschlagen. Dort ist in den Technikabteilungen oft eine Spielkonsole zum Ausprobieren aufgestellt. Daran habe ich dann gezockt, denn an eine eigene Konsole war im Traum nicht zu denken. Doch mit dieser Anlage sind selbst die aus den Kaufhäusern nicht vergleichbar. Vertieft in dem Spiel, bemerke ich nicht, wie die Zeit vergeht und irgendwann steht Max lächelnd im Türrahmen. Er war wohl noch einkaufen, denn er ist bepackt mit etlichen Einkaufstüten.

„Wie ich sehe, hast du die Zeit gut rumgekriegt. Lass uns in die Küche gehen, ich habe was vom Chinesen mitgebracht. Hoffe, du magst chinesisch?“

„Schön das du wieder zuhause bist, klar mag ich chinesisch. Alles ist besser, als das wovon ich mich oft habe ernähren müssen.“

In der Küche lassen wir es uns schmecken, doch der Versuch es Max gleich zu machen und mit Stäbchen zu essen, scheitert kläglich. Amüsiert reicht Max mir eine Gabel und wir müssen beide lachen. Als wir fertig gegessen haben, deute ich auf die Einkaufstüten.

„Was hast du denn da noch alles eingekauft?“

„Ach ja ... das ist alles für dich.“

„Für mich?“

Neugierig packe ich die ersten Tüten aus und kann kaum glauben, was ich da sehe. Die Tüten sind voller Kleidung. Komplett alles was man braucht, von Unterwäsche, bis Oberbekleidung, Jacke und Schuhe. Aber nicht irgendwelche Kleidung, alles Topmarken in coolen, aber dennoch seriösen Style, der zu meinem Alter passt. Und alles in mehreren Ausführungen.

„Bist du verrückt, das muss ja ein Vermögen gekostet haben. Woher wusstest du, was du kaufen musstest?“

„Na ja ... da war eine nette Verkäuferin, die mich entsprechend beraten hat und das alles ist reduzierte Ware. Also mach dir keine Gedanken.“ (Das ist maßlos untertrieben.)

„Probier doch gleich mal was an.“

Die Etiketten sind bereits im Vorfeld entfernt worden, daher kann ich alles ohne Umstände sofort anziehen. In seinem Beisein lege ich den Bademantel ab und ziehe mir eine der Unterhosen an. Das ich für den Moment nackt vor Max stand, hat mir nicht im geringsten etwas ausgemacht. Ganz im Gegenteil, ich fand es sogar gut, ihn so nah und auch intim bei mir zu haben. Zumal mir seine Worte von gestern einfallen. Meine anfängliche Scheu ihm gegenüber ist diesbezüglich verflogen. Max mustert gedankenversunken meine Blöße, ohne dabei provokant zu wirken. Die Unterwäsche trägt sich angenehm auf der Haut und auch die Jeans einfach toll. Ich entscheide mich für ein cooles Shirt und dazu die roten Sneakers. In dem mannshohen Spiegel im Korridor betrachte ich mich und mir kommen die Tränen. Das sind genau die Markensachen, um die ich die anderen Kids in der Schule immer beneidet habe und nun trage ich selbst welche. Max kommt hinzu und umarmt mich von hinten. Durch den Spiegel schauen wir uns gegenseitig an und Max bemerkt die Tränen in meinen Augen. Ich kann nicht anders als mich umzudrehen und auch Max aus Dank zu umarmen. Engumschlungen stehen wir da und Max versucht, mich zu trösten.

„Als ich gestern deine Sachen gewaschen habe, sind sie gar nicht mehr richtig sauber geworden. Zumal sind sie ziemlich verschließen, um es nett auszudrücken. Ich konnte gar nicht anders, als dir neue zu kaufen. Außerdem brauchst du ja auch was zum Wechseln.“

„Ich weiß gar nicht, wie ich dir danken soll, noch nie war jemand so gut zu mir.“

„Da fällt mir gerade ein, du hast noch gleich einen Termin.“ (Bewusst weicht er dem Thema aus.)

„Termin ... was für einen Termin?“

„Bei Jovani.“

„Wer ist Jovani?“

„Jovani ist ein Freund und mein Frisör. Aber nicht irgendein Frisör, er ist ein Meister seines Faches. Wie müssen unbedingt an deiner Frisur etwas ändern.“

Mit einem Blick im Spiegel bestätigt sich sofort, wie recht Max hat. Meine Haare sind viel zu lang und selbst der Ansatz einer Frisur ist nicht zuerkennen. Außerdem kann ich mich nicht erinnern, wann ich das Letzte mal bei einem Frisör war.

„Ich habe mir übrigens einen Leihwagen besorgt, wenn wir gleich losfahren, sind wir pünktlich bei Jovani.“ (Na ja ... einen Leihwagen hätte er nun wirklich, nicht nötig gehabt.)

Voller Stolz schnapp ich mir noch die neue Jacke und wir verlassen die Wohnung. Ich fühle mich sauwohl in den neuen Klamotten. Irgendwie scheine ich das Glück, welches ich momentan verspüre, auch nach außen ausstrahlen, denn ein Lächeln kann sich Max nicht verkneifen als er mich, während der Fahrt ansieht. Wenn dem so ist, dann soll Max auch an meinem Glück teilhaben, denn im Moment fühle ich mich wirklich glücklich. Die Fahrt dauert eine gute halbe Stunde, bis wir den Laden von Jovani erreichen.

Mit meiner Vorstellung von einem kleinen Frisörladen lag ich völlig daneben. Ein Riesen Laden voll mit Kunden, die teils noch warten oder bereits bedient werden. Sowie mit mindestens 25 Angestellten und die Wände hängen voll mit gerahmten Bildern in DIN A4 Größe. Alles handsignierte Fotografien die Jovani mit irgendwelchen Künstlern und Prominenten zeigen, von denen ich nicht einen kenne. Wenn man sich in seiner Phantasie das Klischee eines schwulen Frisöres vorstellt, dann erfüllt Jovani dieses Klischee mindestens zu 200 Prozent. Jovani ist nicht schwul, sondern stock schwul, mit einer dermaßen übertriebenen Theatralik, dass ich mir bereits beim betreten seines Frisörsalons das Lachen verkneifen musste. Max und Jovani begrüßen sich mit angedeuteten Wangenküsschen links und rechts.

„Max meine Liebe schön das du dich mal wieder sehen lässt.“

„Ich freue mich auch, dich zu sehen, und danke nochmal, das du es so kurzfristig einrichten konntest.“

„Na du bist gut mein Lieber, als wenn du dich bedanken müsstest. Du weißt doch, für dich habe ich alle Zeit der Welt.“

Jovani ist ungefähr Mitte fünfzig in einem grell bunten Outfit. Er schaut um Max herum und sein Blick fällt auf mich. Schnippisch und verwegen schaut er mich an.

„Wenn haben wir den da?“

Er kommt zu mir, läuft um mich herum, wobei seine linke Hand auf der Brust ruht und mit der rechten Hand wuselt er hier und da durch meine Haare.

„Du must Kai sein, mein heutiger Notfall und dazu noch ein richtig schnuckeliger. Meine Güte, du must ja das Herz von Max, im Sturm erobert haben, mit dem süßen Gesicht. Ach Kinder jung müsste man nochmal sein.“

Seine Worte machen mich verlegen und ich merke, wie ich erröte.

„Hach Gottchen nun wird er verlegen, must du aber nicht. Tante Jovani übertreibt da schon mal ein wenig, aber für dich mein Lieber habe ich den Termin mit so einer Popdiva abgesagt. Zumindest ist sie im Glauben, eine zu sein. Gerade mal einen Nummer Einshit und schon glaubt sie, sie könnte singen. Ach ich sag dir, diese jungen Dinger ...“

Zu diesem Zeitpunkt, glaubte ich Jovani macht einen Scherz, dem war aber nicht so, er hat tatsächlich der vermeintlichen Popdiva den Termin abgesagt. Was ich damals nicht wissen konnte, Jovani ist kein Starfrisör, sondern der Frisör der Stars. Alles was Rang und Namen hat, aus der deutschen Film und Popszene, oder irgendwie glaubt prominent zu sein, steht Schlange, um bei dem Maestro persönlich irgendwann einen Termin zu bekommen. Tatsache ist, dass nur ein Anruf von Max genügte, um für mich diesen Termin kurzfristig auszumachen. Wobei Jovani es sich nicht nehmen lies, persönlich sich um mich zu kümmern. Warum das so ist, sollte ich irgendwann später erfahren.

„Oh mein Gott, wann war denn da das letzte Mal ein Hairstylist dran? Aber deine Haare ... Grund gütiger die haben ja so etwas von potential, aus deiner Haarpracht mein Lieber, zauber ich dir jede, ach was rede ich, daraus zauber ich dir DIE Frisur.“

„MARIA ...“

Brüllt Jovani in seiner theatralen Art quer durch den Laden und ich muss mich echt beherrschen, nicht laut loszulachen. Spätestens jetzt haben wir jegliche Aufmerksamkeit der anderen Kunden im Salon.

„Maria ... Liebes, bring doch bitte meinen Gästen ein Fläschchen Prosecco.“

Maria ist in Wirklichkeit ein junger Mann anfang zwanzig mit den Namen Mario und ist mindestens so schwul wie Jovani, zumindest beherrscht er den Hüftschwung genauso wie er. Maria bzw. Mario kommt bald darauf mit einem Tablett, auf dem mehrere Sektgläser und eine Flasche im Sektkühler stehen. Er schenkt die Gläser ein und Jovani lenkt mich zu einem der Frisörstühle. Mario legt mir den Schutzumhang um, wobei sich unsere Blicke in dem vor mir befindlichen Spiegel treffen, und er lächelt mir auf einer angenehmen Weise zu. Danach verschwindet er und überlässt den Platz seinem Chef. Jovani steht nun hinter dem Frisörstuhl, auch er schaut mich durch den Spiegel vor uns an und wuselt wieder durch mein Haar.

„Nun junger Mann irgendwelche Vorstellungen oder besondere Wünsche?“

Die Frage ist an mich gerichtet, doch ehe ich darauf etwas erwidern kann, fällt Max mir ins Wort.

„Ich denke mal etwas in der Richtung jugendlich frech, entsprechend seinem alter und dennoch gesellschaftsfähig seriös.“

„Sehr schön ihr lieben ... dann lasst den Maestro mal machen.“

Die gesamte Zeit über, in der Jovani meine Haare in Form bringt, redet er pausenlos. Jede Menge Späße macht er und wir drei lachen oft und herzhaft gemeinsam. Es ist die pure Lebensfreude und Ausgelassenheit, die mich an diesen Nachmittag nahezu fasziniert und ich kann mich nicht erinnern, jemals so viel Spaß zuhaben. Im Spiegel kann ich erkennen, dass viele der anderen Gäste, oft verstohlen zu uns herüberschauen und sich vermutlich fragen, wer wir sind, dass der Meister soviel Zeit mit uns verbringt. Fast zwei Stunden schnippelt Jovani an mir herum, inklusive verschiedener Wässerchen, Gelen und wer weiß was noch für ein Zeugs. Danach rieche ich zwar wie eine ganze Parfümerie, aber das Ergebnis ist der Hammer. Eine gute Frisur, verändert das Erscheinungsbild eines Menschen enorm und ich glaube, mich selbst kaum wiederzuerkennen.

Gestern war ich noch der Obdachlose, übel riechende, in verschließender Kleidung herumstreunende junge Mann. Heute nur einen Tag später wirke ich wie ein schmächtiger, 18 Jahre alter Teenager aus gut behütetem Haus und ich muss mit den Tränen ringen, als ich mich so verwandelt im Spiegel erblicke. Zum Glück sind gerade Jovani und Max damit beschäftigt sich zu verabschieden und mir bleibt erspart, das sie davon etwas mitbekommen. Zurück im Wagen habe ich mich bereits wieder beruhigt und Max schlägt vor, noch irgendwo einzukehren, um eine Kleinigkeit zu essen. Wir fahren zu einem italienischen Restaurant und verbringen dort noch einen angenehmen Abend zu zweit. Verstohlen blicke ich oft zu den anderen Gästen, doch niemand nimmt Notiz von mir. Nun wirke ich vollkommen normal und niemand kommt auf die Idee, mich merkwürdig oder sogar angewidert zu mustern. Max bemerkt meine Unsicherheit, er hält meine Hand und spricht mir lächelnd Mut zu.

„Wie du siehst ... ist es genau so gekommen, wie ich gestern bereits zu dir sagte. Ein vernünftiger Haarschnitt, ordentliche Kleidung und niemand kommt mehr auf die Idee, dich abzuweisen. Kleider machen Leute, ab heute beginnt für dich ein neues Leben.“

„Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll ...“

„Brauchst du auch gar nicht, weil ich sehe was es bei dir bewirkt. Du hast dich, seid gestern nicht nur äußerlich verändert, sondern auch innerlich. Ich habe dich bei Jovani beobachtet, wie ausgelassen du gelacht hattest. Gestern warst du noch verbittert und hast mit deinem Schicksal gehadert, als wir in dem griechischen Lokal saßen. Deine Lebensfreude ist zurückgekehrt und dich lachen zusehen, ist dank genug für mich. Daran kann ich sehen, alles richtig gemacht zu haben und ich freue mich, das du nun mir gegenüber sitzt.“

Schweigend schaue ich ihn an und mir wird bewusst, wie recht er hat. Seine Worte beschämen mich zwar, doch Max löst etwas in mir aus, das ich mir zu diesem Zeitpunkt nicht erklären kann. Etwas ist an ihm, das ein Gefühl der völligen Vertrautheit in mir auslöst. Anstatt den Blick aus Cham abzuwenden, sehe ich ihm in die Augen und Max erwidert den Blick. Wir schauen uns einfach nur an und man könnte meinen, dass ein unsichtbares Band uns miteinander verbindet.

„Du hast recht, ich kann mich nicht erinnern, jemals so viel spaß zu haben, wie vorhin bei Jovani. Ich mag ihn in seiner Art, doch ich bin froh, dass du nicht so übertrieben schwul bist wie er. Verstehe mich nicht falsch, ich habe kein Problem damit, das du auf Männer stehst. Doch wärst du wie Jovani, wüste ich nicht, wie ich mich verhalten sollte. Ach Mist ... nun rede ich wieder Blödsinn. Bitte sei mir nicht böse ...“

„Keine Sorge ... deine Gefühle fahren zur Zeit Achterbahn. Ich weiß, was du meinst und kann dich durchaus verstehen. Von jetzt auf gleich quasi in eine völlig Neue Welt einzutauchen ist nicht einfach. Jovani ist Jovani und ich bin ich, also mach dir keine Gedanken und genieße das jetzt und hier.“

„Woher kennst du Jovani?“

„Och ... das ist eine lange Geschichte, die den Rahmen des abends sprengt. Lass uns nach Hause fahren, es ist bereits spät.“ (Bewusst lenkt er mal wieder vom Thema ab.)

Auf der Fahrt unterhalten wir uns über den heutigen Tag und die Zeit vergeht wie im Flug. Angekommen in der Wohnung, erfrische ich mich noch im Badezimmer für die Nacht und schaue dabei lange in den Spiegel. Mit dem neuen Haarschnitt wirke ich vollkommen verändert und wie ich mich im Spiegel betrachte, fällt mir etwas auf, was ich in den Jahren zuvor nie wahrgenommen habe. Etwas das Max und auch Jovani bereits zu mir sagten. Es ist mein Gesicht, geprägt von jugendlicher Schönheit. Die dunkelblonden Haare, die blaugrauen Augen und die kleine Nase ergeben zusammen eine Schönheit, die mir selbst nie bewusst war. Zu sehr hat mich das Schicksal meines bisherigen Lebens vereinnahmt, als das ich dieses bemerken konnte. Zufrieden mit mir selbst und der momentanen Situation gehe ich hoch ins obere Stockwerk. Oben angekommen kommt Max aus dem kleineren Bad und gemeinsam betreten wir sein Schlafzimmer.

Völlig selbstverständlich, ziehe ich mich nackt aus und schlüpfe unter die Bettdecke, als wäre es das Normalste der Welt. Max ist nicht ganz so schnell wie ich und mit freien Oberkörper steht er da und schaut mich verwundert an.

„Du schläfst nackt?“

„Als ich heute Morgen aufwachte, war ich auch nackt. Da dachte ich, dass du es so gewohnt bist und ich wollte es dir recht machen. Oder ist es nicht Ok für dich?“

„Doch sicher ... alles gut ich war nur für einen Moment irritiert, das du so locker bist. Hauptsache ist, dass du dich dabei wohl fühlst.“

Er zieht den Rest seiner Kleidung aus und geht ebenfalls nackt ins Bett. Zum ersten Mal sehe ich ihn unbekleidet und ich bin beeindruckt. Max ist muskulös und wirkt männlich herb. Arme und Beine sind normal behaart, Brust, Achseln und Intimbereich hat er sich anscheinend rasiert, denn dort ist er genauso unbehaart, wie ich es bin. Sein Schwanz ist allerdings ein Stück größer als meiner. Unvermittelt rutsche ich rüber auf seine Seite des Bettes und kuschel mich an seiner Seite. Mein Kopf liegt an seiner Schulter und ganz nah schmiege ich mich seitlich an. In der Aktion liegt keine sexuelle Absicht meinerseits, sondern nur der Wunsch seine Nähe und das Gefühl der Geborgenheit zu spüren. Er legt sich selbst auf die Seite, dass ich quasi in seinem Arm liege, auf dem er sich aufstützt. Die Vorderseiten unserer Körper schmiegen sich aneinander und mit dem freien Arm umarmt er mich und streichelt meinen Rücken. Dabei sieht er mir in die Augen und etwas besonderes ist in seinem Ausdruck, der mich magisch anzieht und ich gar nicht anders kann als seinen Blick zu erwidern.

„Sag mal ... schon vergessen, das ich schwul bin?“

„Nein warum ...?“

Kommt es wie aus der Pistole geschossen und in meiner jungen, naiven Art habe ich mir wirklich keinerlei Gedanken darüber gemacht.

„Ok ich meine ja nur, wir beide nackt ... im Bett ... kommst du zu mir rüber ... kuschelst dich bei mir an ... das könnte ich genausogut ... auch falsch auffassen. Nicht das ich etwas dagegen hätte ... wenn du verstehst, was ich meine?“

Noch immer streichelt er zärtlich meinen Rücken und ich muss tatsächlich kurz über seine Worte nachdenken. Seine Hand wandert tiefer und streichelt über meinen Arsch. Nun werde ich mir der Situation bewusst und sie macht mich verlegen.

„Äh ... entschuldige bitte, ich wollte dich nicht verärgern. Es ist nur so ... ich weiß nicht, ob ich die richtigen Worte finde ... aber in deiner Nähe fühle ich mich sauwohl und geborgen. Ein solches Gefühl kannte ich bislang nicht und wollte einfach nur ganz nahe bei dir sein.“

„Warum sollte ich verärgert sein, wenn ein junger Mann, nackt in meinem Arm liegt. Nein ganz im Gegenteil, ich wollte nur sicher sein, ob du dir dessen bewusst bist. Ich weiß, was du meinst und kann dich gut verstehen. Doch solltest du auch wissen, dass jemand anderes an meiner Stelle, die Situation ausnutzen könnte, um gegen deinen Willen Sex mit dir zu machen. Hast du keine Angst, oder Bedenken, das ich quasi über dich herfallen könnte?“

„Könntest du denn so etwas tun ... gegen meinen Willen?“

„Natürlich nicht, ich respektiere deine Gefühle, obwohl ich gestehen muss, dass solch eine Situation auch für mich neu und mehr als ungewöhnlich ist.“

„Dann ist es doch gut so ... warum sollte ich Angst haben vor dir?“

Max muss Lachen, ehe er antwortet und ich kuschel mich noch fester an ihm.

„Deine Logik ist erfrischend und ich mag sie sogar.“

Noch eine ganze Weile liegen wir engumschlungen da und ich bin mir im Nachhinein sicher, dass nicht nur ich diese vertraute Zweisamkeit genossen habe. Irgendwann schlafe ich in seinem Arm ein, doch Max ist noch lange wach und streichelt mich zärtlich, während er über einige Dinge nachdachte. Es sollte die Nacht sein, in der Max beginnt sich in mich zu verlieben. Es war meine einfache und naive Art, die ihn faszinierte. Die Bescheidenheit, dass selbst die kleinsten Dinge große Freude in mir erweckten. Das meine Gefühle in allen Bereichen ehrlich sind und nicht geschauspielert oder vorgetäuscht. Doch er hat mit den zwei vergangenen Beziehungen äußerst schlechte Erfahrungen gemacht und wollte sich nun mit mir seiner Sache sicher sein. Zu groß war die Angst vor einer erneuten Enttäuschung. Noch in dieser Nacht entsann er sich einem Plan, um mich zu testen. Zumal er zu diesem Zeitpunkt bereits wusste, dass in naher Zukunft ein unausweichlicher Umstand in seinem Leben eintreten wird, der ihm dazu zwang so zu handeln. Ob er wollte oder nicht, er hatte keine andere Wahl, als das Risiko einzugehen, mich eventuell zu enttäuschen und oder massiv zu kränken, wenn er mein Herz gewinnen wollte, damit auch ich meine Liebe zu ihm entdecke.

Die folgenden zwei Tage verlaufen genauso. Max ging morgens zur Arbeit und ich vertrödelte den Tag bei ihm zuhause. Kam er zurück, gingen wir aus zum Essen und sahen uns anschließend einen Film an, den Max zu vor ausgeliehen hatte. Da Max am nächsten Morgen früh aufstehen musste, begaben wir uns auch früh zu Bett. Jede Nacht kuschelte ich mich bei ihm an, um später in seinem Arm einzuschlafen. Die Ruhe und seine Nähe taten mir gut und ich erholte mich schnell von den Entbehrungen der vergangenen Monate. Am nächsten Tag, wache ich morgens allein im Bett auf der Seite auf, auf der Max sonst schläft. Unterhose und Shirt ziehe ich an und gehe nach unten zur Küche. Max ist noch zu Hause und in der Küche treffe ich ihn an, doch er ist im Begriff zur Arbeit zu gehen.

„Schön das du schon wach bist, dann brauche ich dir keinen Zettel zu schreiben.“

Er reicht mir ein kleines Schlüsseletui aus Leder.

„Hier ist ein Ersatzschlüssel für die Wohnung, dann kannst du auch nach draußen, wenn ich nicht daheim bin. Mach dir bitte etwas zu essen, der Kühlschrank ist voll. Möglich das ich heute etwas später nach Hause komme. Dann bringe ich etwas zu essen mit. Falls nicht, gehen wir aus zum Essen.“

„Warum kochen wir uns nicht selbst etwas, ist doch auch günstiger als ständig essen zu gehen.“

„Kannst du denn kochen?“

„Meine Mutter hatte selten gekocht, da musste ich immer selbst zusehen, wie ich klar komme. Einfache Sachen bekomme ich hin, aber ich glaube, dass ich damit deinen Geschmack nicht gerecht werde. Es sei denn du magst Nudeln mit Ketchup und sowas in der Art.“

Max kann sich ein Grinsen nicht verkneifen, ehe er antwortet.

„Da hast du mir bereits etwas voraus, ich kann noch nicht einmal Nudeln kochen und bin es gewohnt auswärts essen zugehen oder mich bekochen zu lassen. Aber mach dir keine Gedanken, ich verdiene genug, um das zu ermöglichen.“ (Das ist nun wirklich mal die Wahrheit, obwohl genug Verdienen relativ ist. Abhängig davon, in welchen Dimensionen man denkt.)

Max kommt näher und umarmt mich. Gern erwidere ich seine Umarmung und somit stehen wir für einen Moment engumschlungen mitten in der Küche.

„Im Wohnzimmer in der obersten Schublade von dem Schrank ist etwas Geld, nimm was du magst, da gibt es bestimmt ein paar Dinge, die du brauchen könntest. Ich möchte, dass du dir etwas gönnst, nach all den Entbehrungen, die du bislang erleiden musstest.“ (Das gehört zu dem Plan, den er verfolgt, um Kai zu testen.)

„Wozu, ich habe doch bereits alles, was ich brauche?“

„Manchmal braucht man es erst, wenn man es sieht. Steck es einfach ein und geh in die Stadt, dann wirst du schon sehen, was ich meine. Mach dir keine Gedanken, nimm es ruhig es ist für dich. Aber jetzt muss ich losgehen zur Arbeit, sonst komme ich noch zu spät.“ (Zu spät kommt er garantiert nicht.)

Er löst die Umarmung, verabschiedet sich von mir und verlässt die Wohnung. Verwundert stehe ich da und schaue ihm nach. Danach mache ich mir Frühstück und esse in der Küche. Während ich esse, überlege ich, was ich anschließend unternehmen soll. Jetzt schon mich vor die Spielkonsole zu setzen und wieder den Tag vertrödeln habe ich keine Lust, aber eine Zigarette möchte ich gern rauchen nach dem guten Frühstück. In der Hoffnung, eine Packung Glimmstängel zu finden, schau ich in der Küche und im Wohnzimmer nach. Ich öffne zwar die Schranktüren und Schubladen, um hineinzusehen, wühle aber nicht darin herum, da es mir unrecht erscheint in Max Sachen zu stöbern. In der Wohnzimmerschublade finde ich das Geld, von dem Max sprach und ich traue meinem Augen nicht, was ich dort vorfinde. Es ist ein Bündel mit 10, 20 und 50 Euroscheinen und ich zähle dreimal nach, um zu glauben, wie viel ich in Händen halte. Fünftausend Euro liegen lose in der Schublade und ich muss mich erst ein mal mit dem Geld in der Hand hinsetzen. Noch nie hatte ich so viel Geld auf einen Haufen gesehen, geschweige denn selbst in Händen gehalten. Darüber mache ich mir meine Gedanken.

Ein ganzes Jahr könnte ich mit dem Geld auf der Straße ohne Probleme leben. Ohne betteln zu müssen oder Ähnliches. Warum hat er das Geld einfach in der Schublade rumliegen und warum soll ich es mir nehmen und ausgeben? Verdient er als Angestellter so viel um sich das erlauben zu können? Fünftausend Euro müssen doch auch für ihn eine Menge Geld sein? Wie lange werde ich bei ihm sein dürfen, ehe Max mich wieder wegschickt und ich zurück auf der Straße bin, in meinem bisherigen Leben? Soll ich das Geld einfach nehmen und verschwinden?

Nein das kann nicht sein und es wäre nicht gerecht Max gegenüber. Nicht nachdem was er für mich vom ersten Tag an bereits getan hat. Bis auf einen 10 Euroschein lege ich das Geld zurück in die Schublade und ziehe mich an, um in die Stadt zu gehen. Auf dem Weg nach draußen begegne ich ein Stockwerk tiefer, einer älteren Frau die gerade dabei ist den Hausflur zu fegen. An dem Klingelschild ihrer Wohnungstür kann ich ihren Namen lesen und Grüße höflich.

„Guten Morgen Frau Kowalski.“

„Oh ... guten Morgen junger Mann.“

Ehe sie weiter etwas erwidern kann, bin ich bereits an ihr vorbei und auf dem Weg in die Stadt. Ein bestimmtes Ziel habe ich nicht und somit schlendere ich durch die Einkaufspassage, um etwas Zeit totzuschlagen. Niemand der Passanten, die mir entgegenkommen, schaut mich merkwürdig an oder macht gar einen Bogen um mich. Die neue Kleidung und mein Aussehen wirken völlig normal und ich genieße dieses Gefühl, welches für mich neu und ungewohnt ist. Sogar zwei Mädchen, die ich etwa 15 Jahre alt schätze, schauen tuschelnd zu mir herüber und ich merke, dass sie sich für mich interessieren. Im vorbeigehen höre ich noch etwas wie ... ist der nicht süß ... doch sie sind mir zu jung, als das ich mich angesprochen fühlen könnte. Aber es erfüllt mich mit Stolz, dass jetzt sogar Mädchen sich für mich interessieren. Allerdings bin ich mir bewusst, dass ich ein Mädchen in meinem Alter, für das ich mich interessieren könnte, nicht finden werde. Da ich ihnen umgekehrt zu unbeholfen und naiv wirken werde.

In einem Tabakgeschäft kaufe ich eine Schachtel Zigaretten und Streichhölzer. Draußen auf der Straße zünde ich mir eine Zigarette an und rauche sie genüsslich. Die nächsten zwei Stunden bummel ich noch an den Schaufenstern der Geschäfte vorbei und stelle mir tatsächlich die Frage, was man so alles für fünftausend Euro kaufen könnte. Danach gehe ich zurück zur Wohnung, da es mir müßig erscheint nur ziellos durch die Stadt zu laufen.

Auf der Straße vor dem Haus in dem Max wohnt, bemerke ich Frau Kowalski, sie steht am Fenster hinter der Gardine und schaut nach draußen, um zu sehen, wer das Haus betritt. Ohne mir dabei etwas zu denken, gehe ich hoch zur Wohnung und erlebe dort die nächste Überraschung. Ich treffe im Wohnzimmer auf eine Frau etwa 30 Jahre alt, die gerade dabei ist, den Teppich Staub zu saugen. Zuerst dachte ich, Max wäre bereits zurück, doch als ich sie sah, war ich für einen Moment erschrocken.

„Hallo du bist bestimmt Kai. Max hat mir eine Nachricht geschickt, dass er zur zeit Besuch habe. Ich bin übrigens Birgit, ein oder zweimal die Woche komme ich her, mache das Gröbste sauber und fülle den Kühlschrank auf.“

„Oh ja hallo auch. Max hat mir gar nichts davon erzählt.“

„Ist mal wieder typisch für ihn, so viel wie er um die Ohren hat. Aber ist nicht schlimm, ich bin hier eh gleich fertig und dann auch wieder verschwunden. Soll ich etwas bestimmtes zum Essen Einkaufen und nächstes mal mitbringen?“

„Nicht das ich wüsste, bis jetzt ist alles Ok so, wie es ist.“

„Gut, dann weiß ich bescheid.“

Sie saugt noch zu Ende, packt den Staubsauger in die kleine Abstellkammer im Korridor und verabschiedet sich keine 20 Minuten später. Das restliche Geld von den 10 Euro lege ich zu dem anderen Geld in die Schublade. Danach schaue ich, welches Spiel ich nehmen soll, um mir die Zeit zu vertreiben. Am Ende der Reihe mit den Spielen, entdecke ich drei CD´s, die keine Spiele sind, sondern Pornos. Schwulenpornos, um genau zu sein, interessiert schaue ich mir die Covers von den CD´s an. Noch nie habe ich einen Porno gesehen, ganz gleich welcher sexuellen Ausrichtung. Neugierig lege ich einen davon in den DVD Player und mache es mir auf dem Sofa bequem.

Natürlich ist mir schon klar, das sich in diesem Porno ausschließlich Männer miteinander vergnügen, doch meine Neugierde, gilt weniger den Darstellern, sondern mehr der sexuellen Handlung an sich. In der Schule war das Wort schwul als Schimpfwort zu verstehen und wird auch als solches benutzt. Wie Sex zwischen Männern im groben geht, konnte ich mir ebenfalls gut vorstellen, doch es wirklich einmal zusehen und wenn auch nur als Film, interessierte mich schon. Vor allem fragte ich mich, wie es Max wohl mag, wenn er mit einem anderen Mann zusammen ist. Also startete ich den Film, in Erwartung neuer Erkenntnisse, die meinen sexuellen Horizont erweitern sollten.

Zuerst bin ich völlig überrascht, in meiner bisherigen Vorstellung stellte ich mir Sex zwischen Männern immer als ein raues, hartes, miteinander vor, wo sozusagen im übertragenen Sinn, ausgetragen wird, wer seinen Arsch hinhalten muss. Doch hier sehe ich zwei Männer, die nackt auf einem Bett liegen, sich zärtlich umarmen, gegenseitig streicheln und innig küssen. Bis auf das Küssen erinnert mich diese Szene sehr an das, was Max und ich in den vergangenen Abenden im Bett machten. Nun wird mir seine Frage, ob ich noch wüste das er schwul sei erst wirklich bewusst. Erschrocken stelle ich fest, wie dumm und naiv ich doch bin, mich im Bett ihm auf dieser Weise zu nähern. Schnell stoppe ich den Film und lege die CD zurück an ihren Platz und nehme, anstatt dessen das Autorennspiel, welches ich öfters gespielt hatte. Doch richtiger Spaß will nicht aufkommen, zu sehr geht mir die Szene aus dem Film durch den Kopf. Auf einer Seite schäme ich mich dafür, so dumm zu sein, auf der anderen Seite habe ich Angst davor, Max auf irgendeiner Art und weise, verärgert oder beleidigt zu haben.

Innerlich aufgewühlt, schalte ich die Spielkonsole aus, schnappe mir meine Jacke und verlasse die Wohnung. Unten auf der Straße sehe ich erneut Frau Kowalski hinter der Gardine stehen. Wieder gehe ich ziellos Richtung Innenstadt und ohne es bewusst zu wollen, lenken mich meine Schritte zu dem kleinen Park, der in der Stricherszenen bekannt ist. In dem Park ist nicht viel los, zumal es noch hell ist und bereits Herbst. Büsche und Sträucher bieten mangels Blätter keinen Sichtschutz mehr. Auf einer Bank lasse ich mich nieder, wobei ich oben auf der Rückenlehne sitze und die Füße auf der eigentlichen Sitzfläche ruhen. Eine Zigarette stecke ich mir gedankenversunken an. Die Sache mit Max geht mir nicht mehr aus den Kopf und somit hänge ich meinen Gedanken nach. Irgendwie war er merkwürdig heute Morgen und die Sache mit dem vielen Geld in der Schublade weiß ich auch nicht zu deuten. Es ärgert mich sogar, etwas davon genommen zu haben um die Zigaretten zukaufen. Mittlerweile dämmert es und die Nacht bricht bald an. Eine Stimme reist mich aus den Gedanken.

„Na kleiner, Lust dir etwas Taschengeld zu verdienen?“

Vor mir steht ein untersetzter Mann Mitte fünfzig und schaut mich lüstern an, als wenn ich nackt auf der Bank hocke. Völlig geschockt brülle ich ihn an und meine Wut heraus.

„VERPISS DICH DU PÄDOPHILES SCHWEIN, ODER ICH RUFE DIE BULLEN.“

Entsetzt schaut er sich um, ob jemand etwas mitbekommen hat, und sucht schleunigst das Weite. Wieder stecke ich mir eine Zigarette an und bin sogar ein wenig stolz auf mich selbst, diesen Kerl selbstbewusst abgewiesen zu haben. Nun ist es dunkel geworden und hier und da streifen einsame Männer durch den Park. Ich stehe auf und gehe Richtung Innenstadt, mal wieder ohne Ziel. Auf der Turmuhr der Kirche in der Stadt sehe ich, das es bereits nach 22 Uhr ist und mir fällt ein, dass Max bestimmt schon zu Hause ist und sich vielleicht sogar sorgen macht. Obwohl ich mir da nicht sicher bin, denn ich glaube, dass das Geld in der Schublade dafür gedacht war, das ich verschwinde, weil ich ihn zuvor gekränkt oder verärgert hatte. Zumindest stellte ich mir es in meiner naiven Art entsprechend vor. Ich hatte einfach Angst davor, Max noch einmal entgegen zutreten.

Natürlich war Max mittlerweile schon längst wieder zurück. Er hatte vom Griechen etwas zu essen mitgebracht und freute sich darauf gemeinsam mit mir zu essen. Doch ich war nicht da und zuerst dachte er, seine schlimmsten Befürchtungen hätten sich bestätigt. Das ich mir das Geld genommen hätte und für immer verschwunden wäre. Doch als er nachsah und noch nicht einmal 6 Euro von dem Geld fehlten, kamen ihm gehörige Zweifel auf. Auch die Kleidung, die er mir kaufte, war bis auf die Sachen, die ich anhatte noch vorhanden. Nachdem es dunkel draußen war und der Abend sich zur Nacht wandelte, machte Max sich erhebliche Sorgen und sogar Vorwürfe. Doch ihm blieb nichts anderes übrig, als abzuwarten, ob ich zurück zu ihm komme. Ein Handy auf dem er mich hätte erreichen können, hatte ich nicht. Da er wusste, dass ich es gewohnt war, auf der Straße mich herum zutreiben, wusste er auch nicht, wo er hätte mich suchen können. Es sollte für uns eine lange Nacht werden, in der wir beide uns unserer Gefühle für den jeweils anderen bewusst werden sollten.

Gegen drei Uhr morgens faste ich meinen Mut zusammen und ging zurück zu Max und seiner Wohnung. Ich wollte mit ihm sprechen und mich entschuldigen selbst auf der vermeintlichen Gefahr hin, dass er mich sofort aus seiner Wohnung rausschmeißt und nichts mehr mit mir zu tun haben will. So glaubte ich, naiv wie ich war. Max war noch wach und saß gedankenversunken in der Küche. Als er hörte, wie der Schlüssel sich in der Tür bemerkbar machte, sprang er sofort auf und lief mir im Korridor entgegen. Als ich in der Tür stand und betroffen zu Boden sah, weil ich mich nicht traute, ihn anzusehen, kam er auf mich zu, nahm mich in seine Arme und hielt mich einfach nur fest. Lange standen wir da und uns beiden war augenblicklich bewusst, dass da mehr war als nur eine oberflächliche Freundschaft.

„Komm rein ins Warme, du bist ja völlig durchgefroren.“

„Es tut mir leid, ich wollte dich nicht verärgern oder so ...“

„Mich verärgern, wie kommst du denn darauf?“

„Na ja ... das abends im Bett ... ich wusste nicht das ... na du weißt schon, was ich meine. Dann habe ich den Porno gesehen und mir war klar, was ich gemacht habe. Du warst heute Morgen so komisch und ich dachte, du bist stinksauer und wolltest mich loswerden.“

Max schaut mich mit einem Gesichtsausdruck an, als verstünde er die Welt nicht mehr.

„Äh warte, ganz langsam ... ich habe jetzt echt Schwierigkeiten dir zu folgen. Lass uns folgendes Machen, ich werde dir jetzt Wasser in der Badewanne einlassen. Du musst dich aufwärmen, sonst hast du morgen eine fette Erkältung. Danach essen wir zusammen, ich habe was vom Griechen mitgebracht, das müssen wir uns nur noch einmal warm machen. Und währenddessen, unterhalten wir uns in aller Ruhe darüber. Was meinst du, ist das OK für dich?“

„Heißt das, du bist nicht sauer auf mich?“

„Nein absolut nicht, ganz im Gegenteil, ich war besorgt um dich.“

Wir gehen gemeinsam zum Badezimmer, Max lässt das Wasser ein und geht darauf hoch zum Schlafzimmer. In derselben Zeit ziehe ich meine Kleidung aus und steige in die Wanne. Das heiße Wasser tut mir gut und ich merke erst jetzt, wie durchgefroren ich wirklich bin. Nach einer Weile kommt Max ins Bad und über den Arm hat er den Bademantel, den ich schon zuvor am ersten Tag getragen hatte. Er setzt sich auf den Rand der Wanne und schaut mich an.

„Hier den habe ich mitgebracht, damit du gleich etwas warmes zum Anziehen hast. Wie ist das Wasser, fühlst du dich etwas besser?“

„Ja das Wasser ist gut und danke für den Bademantel.“

„Nun erkläre mir noch einmal, das mit dem Porno, ich habe echt keinen Plan, was du meintest.“

Aufrecht sitze ich in der Badewanne und mein Blick ist verschämt nach unten zu dem Wasser gerichtet. Eine Weile brauche ich, um die richtigen Worte zu finden, und dann platzt es förmlich aus mir heraus.

„Heute Morgen als ich mir ein Spiel aussuchen wollte, fand ich die Pornofilme ganz am Ende der Reihe. Ich war einfach nur neugierig ohne Hintergedanken oder so etwas und habe einen davon in den DVD Player getan. Da war die Szene, wo zwei Männer nackt im Bett lagen, sich streichelten und küssten. Dann war mir plötzlich klar, dass wir beide an den Abenden dasselbe gemacht hatten, nur ohne küssen halt. Dabei ist mir auch deine Frage bewusst geworden, ob ich vergessen habe, dass du schwul bist. Am Morgen darauf warst du so merkwürdig zu mir und dann noch das viele Geld in der Schublade. Ich habe gedacht, du bist richtig sauer auf mich, weil wir miteinander rumgemacht haben, obwohl ich gar nicht schwul bin und du mehr wolltest als ich. So sauer, dass du mich nur noch schnell loswerden wolltest und deshalb das Geld dagelassen hast, damit ich es nehme und für immer verschwinde.“

Max schaut mich an, als könnte er nicht glauben, was er gerade hörte. Vor allem ist ihm schlagartig bewusst geworden, dass er mich falsch eingeschätzt hat. Das meine Denkweise zu dieser Zeit nicht mit seinen rationalen Maßstäben vergleichbar war und somit unbewusst einen Fehler begann. Er musste umdenken und sich meiner Naivität anpassen, wenn er mein Herz gewinnen wollte.

„Aber das ist doch alles nichts Schlimmes und völlig normal. Hast du denn noch nie einen Porno gesehen, im Internet zum Beispiel?“

„Wir hatten zu Hause kein Internet.“

„Und was ist mit ersten Erfahrungen mit gleichaltrigen aus der Schule oder so? Du hast doch bestimmt einen Freund gehabt, mit dem du das eine oder andere Sexuelle ausprobiert hast. Ich meine, das machen doch alle Jungen in einem bestimmten alter, gemeinsam wichsen und sowas in der Art?“

„Ich hatte noch nie einen Freund, mit dem ich so etwas hätte tun können. In der Schule war ich immer nur der zurückgebliebene Außenseiter, mit dem nie jemand etwas zu tun haben wollte.“

„Das heißt, du hast noch gar keine Erfahrungen machen können?“

„Noch nie ...“

„Jetzt verstehe ich endlich, was du meinst. Das abends im Bett, war im Grunde genommen nichts anderes, als das was Jungen machen, wenn sie untereinander die ersten Erfahrungen ausprobieren wollen. Die machst du dann ausgerechnet auch noch mit einem schwulen Mann und zum Schluss noch der Porno. Kein Wunder, das du völlig verwirrt bist.“

„Ich bin halt nicht normal ...“

„Das stimmt nicht, du bist vollkommen normal. Durch die ganzen Umstände, für die du ja nun wirklich nichts kannst, hinkst du gleichaltrigen nach. Du stehst voll im Saft und deine Hormone spielen verrückt. Mach dir keine Sorgen, du bist völlig normal. Alles was du brauchst, ist ein wenig Zeit, um das alles nach zu holen.“

„Ja aber das abends im Bett ... wir sind doch zwei Männer. Das ist doch dann schwul oder etwa nicht?“

„Na und ... ist doch vollkommen egal. Die Hauptsache ist, dass beide sich einig sind und niemand zu etwas gezwungen wird. Dann ist es egal, welches Geschlecht sie haben und nur den beiden geht es etwas an. In der heutigen Zeit sollte das nun wirklich keine Rolle mehr spielen, wer, mit wem ins Bett geht. Außerdem bist du ein erwachsener Mann und kannst selbst entscheiden, was du möchtest und was nicht.“

„Ok das leuchtet mir ein, aber was ist mit dem vielen Geld in der Schublade, das verstehe ich überhaupt nicht?“ (Das ist eine berechtigte Frage.)

„Ja da hast du recht, da habe ich echt einen Fehler gemacht und dich falsch eingeschätzt.“ (Besser späte Einsicht als nie.)

„Du hast in der kurzen Zeit bereits so viel für mich getan und ich bringe nichts Besseres zustande, als alles noch komplizierter zu machen. Ich schäme mich dafür, so blöd zu sein. Je älter ich werde, umso mehr macht es sich bemerkbar, dass ich die Schule geschwänzt und abgebrochen habe. Vielleicht hätte ich auch einen Job haben können und mein eigenes Geld verdient, dann wäre ich nicht in der Situation, wie ich es jetzt bin.“

Max schaut mich mit einen Ausdruck an, der mehr als nur Verständnis zeigt. Er lässt sich einen Moment Zeit, ehe er mir antwortet.

„Im Nachhinein ist es, immer leicht etwas zu bewerten. Doch die Situation ist nun mal so und man kann nie wissen, warum oder wofür es gut ist, das es so gekommen ist. Über dein Schicksal zu hadern, bringt dich nicht weiter. Du must, die Situation annehmen, wie du sie vorfindest und dann das beste daraus machen.“

„Vielleicht hast du recht, man kann nie wissen, wozu es gut ist.“

Max nickt mir beistimmend zu.

„Am besten wir vergessen das Ganze. Jetzt aber genug gebadet. Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich habe ordentlichen Hunger. Trockne dich ab, ich mache derzeit in der Küche das Essen warm.“

Kurz darauf sitzen wir uns in der Küche gegenüber und essen gemeinsam mit großen Appetit. Mittlerweile ist es fünf Uhr morgens und zum Glück Wochenende. Danach gehen wir hoch zum Schlafzimmer und Max zieht sich aus. Ich selbst zögere noch und schaue verstohlen zu ihm herüber. Erst als er sich vollständig nackt auszieht und auch so sich ins Bett legt, ziehe auch ich den Bademantel aus und schlüpfe genauso nackt unter die Bettdecke. Max liegt auf der Seite, sein Kopf ist auf den Arm abgestützt und er sieht mich an. Unsere Blicke treffen sich und dann hebt er seine Bettdecke an.

„Komm schon rüber, lass uns noch etwas kuscheln.“

Das lasse ich mir nicht zweimal sagen, schnell rutsche ich auf die andere Bettseite, schmiege mich eng an und vergrabe förmlich mein Gesicht in seiner Brust.

„Und es ist wirklich Ok für dich?“

„Mach dir keine Gedanken Kai, solange es für dich Ok ist, ist es das auch für mich.“

Bald darauf schlafen wir beide engumschlungen ein.



Fortsetzung folgt ...

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Pascal: Danke lieber Schreiber, irgendwie empfinde ich wie du. Deine Geschichte könnte mir passiert sein. Ich glaube wir sind seelenverwandt.

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