Bad Doberaner Impressionen

1

Ich weiß nicht, was mich geritten hatte, freiwillig mit meinen Eltern nach Bad Doberan zu fahren. Schließlich war ich schon 19 Jahre, da fährt man doch nicht mit den Eltern in den Urlaub! Das letzte Mal, da muss ich so 14 gewesen sein, war ich mit ihnen auf den Malediven. Danach hatte ich mich stets erfolgreich geweigert, mit ihnen zu fahren. Kein noch so lockendes Ziel konnte meine Abneigung gegen die übertriebene Fürsorge meiner Mutter, damit es dem Goldjungen an nichts fehle, und die argwöhnische Überwachung meines Vaters, damit der Goldjunge nicht in falsche Gesellschaft gerate, überwinden. Juristen halt. Und nun das. Dabei war es nicht mal ein richtiger Urlaub. Meine Eltern wollten auf eine zweitägige Tagung. In Bad Doberan wohlgemerkt. Wer kam denn auf die bescheuerte Idee, in solch einem Nest zu tagen? O. k., der September mochte seine Reize haben und das Wetter sollte weiterhin sonnig und warm bleiben. Aber Bad Doberan!

Dennoch, irgendwie hatten sie es geschafft, mich zum Mitfahren zu überreden. Gnadenlos hatten sie einen schwachen Moment von mir ausgenutzt. Zugegeben, seit der Sache mit Dani, ging es mir wirklich nicht so gut. Fast zwei Jahre war ich mit ihr zusammen. Wir hatten ´ne echt coole Zeit. Kein Tag, an dem wir nicht zusammen waren, fast wie ein altes Ehepaar. Und der Sex war mega, für uns beide, denke ich. Wir waren mit der Schule fertig, hatten Zukunftspläne geschmiedet. Ich war einfach nur selig. Nichts hatte darauf hingedeutet, dass sie es anders empfinden könnte. Umso überraschender kam dann für mich das Aus. Sie hatte ihren Kram bei mir gepackt und war gegangen. Keine Erklärung, kein Bedauern, einfach weg. Mir blieb nur, erschrockenen und fassungslos zuzusehen. Das tat so weh. Für mich brach eine Welt zusammen. Ich verstand einfach nicht, warum. Und obwohl es das erste Mal war, dass ich verlassen wurde, so war mir doch irgendwie klar, dass unverstanden verlassen zu werden, besonders schmerzen muss. Von meinem besten Freund Max erfuhr ich dann ein paar Tage später, dass sie einen anderen hatte. Das half nicht gerade, mein Leid zu lindern. Ich frage mich noch immer, wann sie den anderen kennenlernte.

Schnell würgte ich den aufkommenden Kloß in meinem Hals hinunter. Nur nicht wieder heulen. Nicht vor den Eltern. In die Ecke des Rücksitzes gedrückt und den Blick aus dem Fenster gerichtet, versuchte ich mich wieder einzukriegen. Langsam nahm ich meine Umgebung wieder war. Fast ungläubig schaute ich auf die vorbeiziehende Landschaft. Die Nadelwälder, welche die Straße säumten, kündeten vom baldigen Ende der Reise. Unaufhaltsam näherten wir uns unserem Ziel und der Langeweile, welche mich garantiert erwartete. Bad Doberan, das klang schon nach Rentnern und steifen Gehabe. Meine Eltern auf Tagung und ich den ganzen Tag mich selbst überlassen. Das kann ja nichts werden. Ich gab mir keine Mühe, ein herzhaftes Gähnen zu unterdrücken.

„Wir haben es bald geschafft, dann kannst du dich ausruhen.“

Meine Mutter. War ja klar, dass sie sich sorgte.

Und sie hatte Recht, schon bald tauchten die ersten Häuser auf. Irgendwie sah es wie überall aus, nichts Spektakuläres. Was sollte auch spektakulär sein? Meine Ellis waren voll damit beschäftigt, die Anweisungen der Dame aus dem Navigationsgerät richtig zu interpretieren. Ich sagte ja, Juristen. Können einfach nichts hinnehmen, alles wird hinterfragt, in Zweifel gezogen. Dumm nur, dass manchmal schnelle Entscheidungen gefragt sind. Für Diskussionen ist im Straßenverkehr wenig Zeit.

„Wenn möglich, bitte wenden.“

Typisch, wir hatten uns verfahren. Ist immer so, einmal verfahren ist Pflicht. Ich hätte mich ausschütten können vor Lachen, wenn mir danach gewesen wäre. Statt dessen schüttelte ich nur den Kopf und seufzte leise. Vorn wurde heftig gestritten und nach der Ursache des Verfahrens gesucht.

„Tobias, nun sag du doch mal.“

Jetzt sollte ich wieder dem Orientierungssinn meiner Eltern auf die Sprünge helfen. Ich hätte mich nicht überreden lassen sollen, mit zu fahren. So viel Ablenkung vom Trennungsschmerz kann man gar nicht vertragen.

„Ihr hättet hinter dem Bahnübergang nach rechts abbiegen müssen.“

„Meinst du? Das erscheint mir unlogisch.“

Es war eindeutig ein Fehler, mitzufahren. Und alles wegen Dani, dieser blöden Kuh. Alles hätte so schön sein können.

„Nun mach schon, was der Junge sagt. Sonst kommen wir nie an.“

Mein Vater grummelte etwas von, da seid ihr euch ja mal wieder einig, wendete aber und bog, jetzt jedoch vor den Bahnschienen und nach links – ich war über seine Fähigkeit, die eben gegebene Fahranweisung der neuen Fahrtrichtung anzupassen, überrascht – in grimmiger Erwartung ab, dass auch der nun eingeschlagene Weg falsch sei. Er hätte es besser wissen müssen und konnte seine Enttäuschung kaum verbergen, als unser Urlaubsdomizil unmittelbar vor uns auftauchte.

„Du hast ein Hotel neben einem Bahnhof gebucht?“ hielt er meiner Mutter vor.

„Das war extra empfohlen worden. Es soll sehr ansprechend sein.“

„Wer weiß, wie viel die geschmiert haben, um empfohlen zu werden. Das werden sicher sehr geruhsame Nächte, stündlich ein Zug. Und die nette Lautsprecheransage erst …“

Wie zum Hohn pfiff eine Dampflok durchdringend.

„Auch das noch“, kommentierte mein Vater prompt und parkte sich direkt vor dem Hotel ab.

Klugerweise entgegnete meine Mutter nichts. Mir war auch nicht danach. Es passte in mein vorgefasstes Bild von den kommenden Urlaubsfreuden.

Wir hatten kaum die Eingangstreppe erklommen und meine Mutter war gerade im Begriff, die Hausklingel zu betätigen, als auch schon die Tür schwungvoll geöffnet wurde. Ein brünetter Herr, Mitte dreißig vielleicht, mit dezentem Bauchansatz und ebensolcher Brille stand plötzlich vor uns.

„Lenz.“

Wie jetzt, wollte er die Parole hören? Ich hätte >Frühling< vorzuschlagen gehabt. Nach kurzem verdutztem Schweigen:

„Sie müssen Familie Birkemeier sein.“

„Äh, ja…“

„Ich führe sie zu ihren Zimmern.“

Er vollführte eine bühnenreife Drehung um 180 ° und ging voran. Mann war der aber förmlich. Wenn der nicht aufpasste, brach er gleich ab. Der Blick, den meine Eltern austauschten, sprach Bände. Man war sich wieder einig. Das unweigerlich folgende Ablästern konnte ich jetzt schon hören.

Das Hotel war eine ältere Villa und die Einrichtung dem Stil ihrer Blütezeit nachempfunden. Ich musste zugeben, dass es tatsächlich ansprechend war. Das in braunen und beigen Tönen gehaltene Treppenhaus zeugte vom guten Geschmack des Einrichters. Wir waren im ersten Stock zur Straße hin untergebracht. Die Zimmer waren individuell und angenehm eingerichtet. Natürlich hatte ich ein eigenes Zimmer. Es war das einzige Zimmer mit einem Balkon, sogar mit Sitzgarnitur. Wenigstens würde ich so die vielen mitgebrachten Bücher im Sonnenschein lesen können.

„Sagen sie mal, junger Mann…“

Das sah meinem Vater ähnlich, dass er den Namen schon wieder vergessen hatte. Hätte nicht viel gefehlt, und der Hotelinhaber wäre mit >Herr Zeuge< angesprochen worden.

„… unser Zimmer ist zum Bahnhof raus. Das ist doch wohl sehr laut, oder?“

„Ich kann sie da beruhigen. Die Molli-Bahn fährt nur bis 18:00 Uhr.“

Mein Vater gab sich zufrieden. Mir war das ohnehin egal und verzog mich schnell in mein Zimmer.

„Tobias, bitte sei in einer Stunde fertig, wir wollen die Stadt erkunden.“

So viel zum Thema >Ausruhen<. Meine Mutter konnte mit ihrer quirligen Art manchmal wirklich nervig sein. Kaum angekommen, musste auch schon das nächste Ziel in Angriff genommen werden. Mann, ich wollte einfach meine Ruhe, mich etwas hängen lassen und selbst bemitleiden!

„Hörst du?“, kam dann auch schon die Nachfrage, als ich nicht gleich reagierte.

„Ja ja“, brummte ich und ließ die Tür hinter mir ins Schloss fallen.

Dumpf knallte meine Reisetasche sogleich auf den Boden. Ich hatte null Bock, sie auszupacken. Antriebslos schlurfte ich geradewegs auf das Doppelbett zu, welches in der Mitte der Raumes stand, und ließ mich mit einem tiefen Seufzer und zur Seite ausgestreckten Armen rücklings darauf fallen. Fast automatisch griff ich nach dem kleinen Täfelchen Schokolade, welches als Begrüßungsgeste auf dem Kissen gelegen hatte und nun direkt neben mich gerutscht war, wickelte es aus und schob es mir auch schon in den Mund. Die Betreiber des Hotels hätten ruhig in eine bessere Schokoladenmarke investieren können, dachte ich noch, bevor es mir auch schon die Augen zuzog und ich wegdämmerte. Nur schade, dass mein Nickerchen viel zu kurz ausfiel. Meine Mutter kannte mich einfach zu gut, als dass sie auf mein rechtzeitiges Erscheinen zum Familienausflug ohne ihre bewährte Motivationshilfe vertraut hätte.

Die Stadterkundung bestätigte meine schlimmsten Befürchtungen. Es dauerte keine 15 Minuten und wir hatten den Stadtkern durchquert. Zugegeben, hätten wir nicht den zielstrebigen Schritt meiner Mutter drauf gehabt, sondern uns dem Tempo der unsäglich vielen, das Stadtbild prägenden Graukappen angepasst, wären wir in 25 Minuten durch gewesen. Einzig aufregender Höhepunkt war, dass wir meinen gedankenversunkenen Vater vor der mitten durch die einzige Ladenstraße fahrenden Molli-Bahn retten mussten. Der wäre trotz des warnenden Lärms, den dieses qualmende Relikt aus grauen Vorzeiten machte, glatt überfahren worden. Schließlich landeten wir im Restaurant >Zum weißen Schwan<. War ganz nett. Überall diese Bilder mit Marilyn Monroe an den Wänden. Das hatte schon was. Und das Essen war auch gut. Etwas teuer, aber meine Ellis haben damit zum Glück keine Probleme.

Aber so richtige Begeisterung wollte bei mir einfach nicht aufkommen. Und so war ich froh, als wir wieder ins Hotel zurückgekehrt waren und ich nach einer ausgiebigen Dusche endlich wieder im Bett lag. Mit dem Gedanken an zwei langweilige Tage schlief ich schließlich ein.

2

Meine Eltern hatten darauf bestanden, dass ich mit ihnen frühstückte. Dabei wollte ich eigentlich den Tag verschlafen oder wenigstens im Bett darauf warten, dass selbiger vorrüberging. Nach der Devise >Widerstand ist zwecklos< fügte ich mich dann aber in mein Schicksal und begleitete sie. Meine Laune war auf dem Tiefststand.

Der Frühstücksraum war dem Hotel angemessen, also relativ klein und überschaubar. Herr Lenz bediente, nein er zelebrierte. Wahrscheinlich meinte er, das sei besonders vornehm. Und dann sah ich ihn zum ersten mal. Wahrscheinlich hätte ich ihn gar nicht bemerkt, so sehr haderte ich mit meinem bemitleidenswerten Schicksal. Wenn da nicht das strahlenste Augenpaar gewesen wäre, das ich je gesehen hatte. Mir war gar nicht bewusst gewesen, aufgeblickt zu haben. Vielleicht war es ein Reflex auf eine mir nahe Bewegung, ich weiß es nicht. Jedenfalls waren die Augen von einem so leuchtenden satten Blau, dass mir kurz die Luft wegblieb.

„Mein Mann und ich nehmen das Rührei. Tobias, Schatz, was willst du?“

Das Augenpaar sah mich erwartungsvoll an.

„Äh…“

Was war nur mit mir los? Ich brachte einfach keinen vernünftigen Gedanken zustande, geschweige denn konnte ich solchen artikulieren.

„Er nimmt auch Rührei.“

Na toll, jetzt stand ich wie der letzte Depp da. Nur zu deutlich spürte ich, wie mir das Blut ins Gesicht schoss. Schnell senkte ich wieder mein Blick und konzentrierte mich voll auf mein Frühstück.

„Warum bist du denn so unhöflich?“, wollte meine Mutter von mir wissen, als uns die Bedienung verlassen hatte.

„Bin ich nicht.“

„Vielleicht mag er keine Schwulen“, kam von meinem Vater.

Hä? Wieso Schwule?

„Volker!“ kam es vorwurfsvoll von meiner Mutter.

„Na guck doch mal“, beharrte mein Vater. „Der Blonde wischt die Tische nicht ab, er massiert sie!“

Neugierig schaute auch ich. Na ja, Massage, das war übertrieben gesagt, aber er wischte mit Gefühl. Etwas zu viel Gefühl für eine Hete, fand ich. Nun besah ich mir die Ursache meiner so plötzlich aufgetretenen Verlegenheit etwas genauer. Er war wie der Hotelinhaber etwa Mitte dreißig und hatte kurzes blondes Haar. Seine Jeans und das weiße Hemd saßen wie angegossen und betonten seine schlanke Figur. Als er in meinem Alter war, muss er ein echter Hingucker gewesen sein. Und obwohl die Zeit nicht spurlos an ihm vorübergegangen war, sah er noch verdammt gut aus. Er hatte meinen neugierigen Blick wohl bemerkt und sah zu mir herüber. Er lächelte. Zwei Grübchen bildeten sich auf seinen Wangen. Er war definitiv schön. Ich lächelte zurück und sah schnell wieder auf mein Essen. Es war nicht notwendig, dass meine Eltern aufmerksam wurden. Zum Glück hatten diese das Thema gewechselt. Es ging um die Tagung, die an jenem Tag beginnen sollte. Irgendwann drängte meine Mutter, wer sonst, zum Aufbruch. Man wollte schließlich nicht zu spät zur Tagung ins Friedrich-Franz-Palais kommen.

Ich ging auf mein Zimmer und holte die versäumte Dusche nach. Meine schlechte Laune war wie weggeblasen. Wenn ich die Augen schloss, konnte ich sein Gesicht ganz deutlich vor mir sehen. Ich gestand es mir ein, ich war eindeutig interessiert. Das war mir schon einige Zeit nicht mehr passiert. O. k., Dani hatte mich die letzte Zeit ziemlich mit Beschlag belegt – oder ich sie. Da war nicht viel Platz, für meine weitere Neigung. Ich glaube kaum, dass sie ein paar Affären zum anderen Ufer toleriert hätte. Da sollen ja andere mehr Glück haben, heiraten sogar, werden Vater und leisten sich ganz offen nebenher einen Ausgleichssport. So hatte ich das jedenfalls kürzlich in einem Internetforum gelesen. Glückspilz, der. Aber was sollte der Neid, Dani war Vergangenheit, ich war frei. Und wer weiß…?

Gerade als ich die letzten Beweise (man merkt, ich bin ein Juristenkind) von der Duschwand spülte, hörte ich die Zimmertür gehen. Mist, ich hatte wohl vergessen, das Bitte-nicht-stören-Schild aufzuhängen. Und jetzt wollte die Putze cleanen. Schnell schlang ich mir das Handtuch um die Hüfte und trat aus dem Bad und meiner eben gelebten Phantasie fast auf die Füße.

„Oh, ich wusste nicht, dass jemand da ist“, entschuldigte er sich und sah erschrocken drein.

Er hatte Reinigungsutensilien dabei und wollte offenbar saubermachen.

„Meine Schuld“, beeilte ich mich, zu versichern. „Hab vergessen, das Schild aufzuhängen. Ich bin gleich fertig.“

„Ich mach da mal erst das Nebenzimmer“, sagte er und wandte sich auch schon zum Gehen.

„Ich bin übrigens der Tobias.“

Er drehte sich wieder zu mir und lächelte dieses geile Lächeln wie im Frühstücksraum.

„Ich weiß. Schöner Name übrigens. Mein Partner heißt auch so.“

Partner? Ach, Kacke Mann! Er deutete meinen enttäuschten Gesichtsausdrück wohl falsch.

„Schockiert?“

„Nö, warum?“

Er grinste und wollte das Zimmer wieder verlassen, als er sich dann aber nochmals zu mir drehte.

„Christian, ich heiße Christian.“

Er lächelte mich an und schloss die Tür hinter sich.

Warum musste das immer mir passieren? Endlich die Gelegenheit, um über Dani hinweg zu kommen, und dann war die in festen Händen. Ach, Mensch. Mein Stimmungsbarometer war schon wieder am Fallen. Wiederum, er hätte mir seinen Namen ja nicht sagen müssen. Vielleich fand er mich doch etwas nett und war einem „Ausrutscher“ gegenüber nicht abgeneigt? Und mehr hätte ich von ihm auch nicht erwartet. Nicht nur, weil ich am nächsten Tag wieder abreisen würde. Für mich war Sex mit Jungs – nicht das es bislang viele Gelegenheiten gewesen wären - nie was längerfristiges. Schnell und geil musste es ein. Von mir aus auch mit ein, zwei Wiederholungen. Aber nichts von Dauer bitte. Eine echte Beziehung kam für mich nur mit dem anderen Geschlecht in Betracht. Ich musste mir also etwas einfallen lassen. Mehr als eine Abfuhr war ja nicht zu befürchten. Ich zog mich schnell an und beschloss, den Kontakt etwas zu vertiefen.

Er war im Zimmer meiner Eltern beschäftigt. Ich lehnte am Türrahmen und beobachtete ihn beim Staubsaugen, ohne bemerkt zu werden. Er wischte nicht nur Tische mit Gefühl ab. So viel war mal sicher.

„Ganz schön zu tun, was?“, sprach ich ihn an.

„Mann, hast du mich erschreckt!“ zuckte er zusammen und legte eine Hand an seine Brust.

Ganz schön schreckhaft war er ja, aber süß.

„Sorry“, grinste ich frech. „Dachte, du kannst mir ein paar Tipps geben, was ich hier unternehmen könnte?“

Er stellte den Staubsauger aus. Eine Wohltat, dieses nervige Geräusch nicht mehr ertragen zu müssen.

„Hm, schwierig.“

Tja, erzähl mal was Neues.

„Du kannst mit der Molli-Bahn nach Heiligendamm fahren oder besser noch nach Kühlungsborn, da ist mehr los. Oder du siehst dir das Münster an. Der Park dort ist auch nicht ganz schlecht. Es gibt auch ein Ehm-Welk-Haus. Die haben aber nicht immer auf. Kennst du Ehm Welk?“

„Klar, Schriftsteller. Heiden von Kummerow“, gab ich an, Leseratte halt.

„Ich bin beeindruckt.“

Ist doch mal was.

„Aber für die Jugend ist nicht so viel los, was?“

Er lachte.

„Ne, mehr für Rentner.“

Als ob ich das nicht gewusst hätte, bevor wir hierher fuhren.

„Ist der Chef hier dein Partner?“, wechselte ich das Thema.

Ich musste es wissen. Er zögerte erst etwas, aber dann:

„Marcus? Nein, das ist mein Ex. Wir sind nur noch befreundet.“

Da es ihm irgendwie unangenehm war, darüber zu sprechen, hakte ich nicht weiter nach.

„Du, ich muss weiter machen“, entschuldigte er sich bedauernd.

„Klar. Danke dir.“

Und schon nervte der Staubsager wieder. Ich trat den Rückzug an, vorerst.

Mit der Bahn zu fahren, war mir zu blöd. Also suchte ich das Münster. War nicht schwer zu finden. Neben der Bahn die einzig weitere Attraktion des Ortes. Also gut, es gab schon noch ein paar nette Häuschen. Die Villa von dem Möckel, der sich um das Münster verdient gemacht hatte, wie ich bei der Münsterführung erfuhr, war schon sehenswert. Aber länger als bis zum Mittag hatte ich nicht zu tun. Klar, dass ich auch zum Ehm-Welk-Haus gelaufen bin und klar, dass bei meinem Glück das Museum geschlossen hatte. In einem Café gönnte ich mir meinen Lieblingseisbecher, einen „Schwedenbecher“, hmm, Vanilleeis mit Apfelmus, Eierlikör und Sahne. Echt lecker.

Als ich wieder im Hotel ankam, herrschte Totenstille. Alles schien ausgeflogen zu sein. Schon etwas enttäuscht, keine Gelegenheit zu einem weiteren Plausch mit Christian gehabt zu haben, setzte ich mich auf meinen Balkon und las. Und tatsächlich schaffte es Simon Beckett wieder einmal, mich zu fesseln und in seine Welt zu entführen. Obsession.

Am Abend dann das Übliche, ich war mit meinen Eltern essen. Und vor dem Einschlafen hatte ich mir noch einen runtergeholt, auf Christian versteht sich.

3

An jenem Morgen stand ich schneller auf als gewöhnlich und hatte mich etwas sorgfältiger auf das Frühstück vorbereitet. Ich zog extra meine engste Jeans an und dazu einen dünnen, eng anliegenden Pullover. Ich war schon etwas stolz auf meinen Körper. Einige Jahre im Schwimmverein hatten ihre Spuren hinterlassen. Und warum sollte ich es nicht zeigen? Unzufrieden war ich eigentlich nur mit meiner Brille. Aber, dem Erfinder der Kontaktlinsen sei Dank, auch dieses Problem war lösbar.

„Du hast dich aber herausgeputzt, hast du eine Verabredung?“, wollte meine Mutter wissen.

Autsch, dieser juristische Scharfsinn gepaart mit weiblicher Intuition war wieder einmal auf der richtigen Spur. Künftig also nie ´ne Freundin, die Jurist ist, vermerkte ich für mich.

„Nö, wieso? Gefällt es dir nicht?“, ging ich in die Offensive.

„Doch, doch“, beeilte sich meine Mutter zu sagen und zwinkerte meinem Vater zu.

Der schaute nur verständnislos und begann sogleich ein Fachgespräch. Gute Ablenkung fand ich. Aber von Christian keine Spur. Das konnte doch nicht wahr sein. Fehlte noch, dass er seinen freien Tag hatte. Doch so sehr ich hoffte und verstohlen Ausschau hielt, es blieb dabei, er tauchte nicht auf. Ich war maßlos endtäuscht. Als meine Eltern zur Tagung gingen, erinnerte mich meine Mutter daran, meine Tasche zu packen. Nach Schluss der Tagung sollte es gleich nach Hause gehen. Tja, das war es dann wohl mit dem Ausrutscher. Obwohl, eine Chance bot sich noch. Vielleicht war Christian wieder der Cleaningman? Und in dem Fall musste ich die Gelegenheit beim Schopfe fassen. Mein Plan war so einfach wie – zugegeben – einfallslos. Ich zog mich vollständig aus und legte mich ins Bett. Auf dem Bauch liegend arrangierte ich die Decke so, dass mein Hintern nur halb bedeckt war. Wenn er darauf nicht anbiss, dann wusste ich auch nicht. Den Gedanken, dass jemand anderes zum Saubermachen kommen könnte, verwarf ich einfach. Denn wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Es dauerte einige Zeit bis die typischen Reinigungsgeräusche zu mir drangen. Irgendwann war es dann soweit. Es klopfte. Ich hatte den Kopf von der Tür weggedreht und stellte mich schlafend. Da das Bett und damit auch ich bereits von der Tür aus zu sehen waren, würde sich nach dem Öffnen der Tür entscheiden, ob mein Plan funktionierte oder nicht. Die Tür ging auf begleitet mit dem Geräusch von an den Türrahmen leicht anschlagenden Gegenständen. Dann war Stille. Es dauerte einige Zeit, bis die Tür geschlossen und Gegenstände abgestellt wurden. Ha, angebissen!

Jemand näherte sich dem Bett und verharrte neben mir. Ich >schlief< hart und fest. Die einzige Bewegung vollführte mein vor Aufregung und Vorfreude rasendes Herz. Dann endlich spürte ich zwei warme, weiche und doch feste Hände, eindeutig Männerhände, die meinen Nacken und die Schultern streichelten. Ich konnte ein Grinsen nicht unterdrücken und genoss die Situation mit weiter geschlossenen Augen. Als die Hände über meinen Rücken fuhren, drückte ich mich wohlig durch und wölbte meinen Rücken den Händen entgegen. Das fühlte sich so geil an und ich konnte einfach ein Stöhnen nicht unterdrücken, als sich die Hände am Übergang zu meinem runden Hintern lösten. Genau so hatte ich es mir erträumt. Dann beugte er sich zu mir herunter und ließ seine Zunge über meine Schulterblätter und dann an meiner Wirbelsäule hinunter fahren. Oh Mann, der wusste, wie man einen Kerl verwöhnt. Ich hätte es schon viel eher mit einem Erfahrenen versuchen sollen. Ich drückte meinen Kopf tiefer in das Kopfkissen und unterdrückte mühevoll ein weiteres Stöhnen. Leicht zitterte ich vor geiler Erwartung. Wieder wanderten seine Hände tiefer und drückten meinen Rücken nun fest an die Matratze. Schließlich glitten sie über meinen Hintern, den ich ihm genussvoll ein wenig entgegenstreckte. Er verstand das als Einladung zu mehr, denn ein Finger verirrte sich vorsichtig in meine Spalte, suchte den empfindsamen Eingang, umkreiste ihn leicht und glitt schließlich etwas hinein. Oh ja, das hatte ich gebraucht. Fast hatte ich schon vergessen, wie geil sich das anfühlt, wenn ein Finger tief in mich hinein gestoßen und tief in mir drin bewegt wird. Ich zitterte fast unkontrolliert, meine Hände krallten sich in das Laken. Ich war so empfindsam wie schon lange nicht mehr.

„Soll ich weiter machen?“, flüsterte er mir ins Ohr.

Ja, ja verdammt… Verdammt, das war nicht Christians Stimme! Ich drehte mich erschrocken halb zu ihm herum und traute meinen Augen nicht. Dreist grinste mich Marcus an.

„Hattest wohl jemand anderes erwartet?“

Ich war erst sprachlos und starrte ihn an. Doch als sein Grinsen langsam an Sicherheit verlor und sein Gesicht Zweifel widerzuspiegeln begann, sagte ich mir, was soll´s. Es war geil und ich wollte mehr. Ich legte mich wieder entspannt auf das Bett.

„Mehr“, flüsterte ich und reckte ihm wieder meinen Hintern entgegen.

Marcus griff unter mich nach meinem längst harten Schwanz und begann ihn zu streicheln. Zischend entwich mir der Atem und ich bewegte mich seiner Hand entgegen.

„He, nicht so schnell“, grinste Marcus.

Mann, was sollte das werden? Ich wollte mehr. Alles.

„Im Nachtschrank…“, nuschelte ich fahrig.

Er richtete sich auf und ich hörte, dass er sich hastig auszog. Dann öffnete er den Nachtschrank und entnahm das Gesuchte. Mit etwas Gel und zwei Fingern fuhr er in mich. Ich keuchte auf, als er sie etwas spreizte und mit der Tube Gel in mich spritzte. Ich war so eng, so lange schon entwöhnt und zuckte leicht zusammen.

„Alles okay?“, fragte er besorgt und zog seine Finger zurück.

„Quatsch nicht, mach!“, drängelte ich.

Gott hatte ich es nötig! Ich hörte ihn regelrecht schmunzeln, als er mir mit den Händen meine Backen spreizte und mit einem Daumen leicht die geschmierte Rosette massierte. Wo nahm der nur diese Selbstbeherrschung her? Ich an seiner Stelle wäre schon längst über mich hergefallen. Wieder nahm er zwei Finger und öffnete damit meinen Eingang. Langsam bereitete er mich auf den Hauptgang vor. Ich keuchte auf, als er endlich seinen Schwanz langsam in mich schob. Er wartete, bis ich mich völlig entspannt hatte und begann dann, sich in mir zu bewegen. Oh ja, es fühlte sich zunehmend gut an. Ich war wohl doch noch nicht ganz aus der Übung. Geil, so ausgefüllt zu sein. Er hatte keinen Riesen, aber es reichte mir völlig. Er drückte mir seinen Schwanz gezielt an die Prostata. Sofort reagierte ich und stieß hörbar die Luft aus und begann gleich danach leise zu stöhnen.

„Gut, oder?“, keuchte er.

„Jaaa“, stöhnte ich langgezogen und in das Kopfkissen vergraben.

Er steigerte seine Geschwindigkeit. Ich fühlte, wie sich wie sich meine Lust zunehmend Bahn brach.

„Lange halte ich das aber nicht mehr durch“, warnte ich ihn.

„Kleine geile Sau“, lachte er und arbeite zielstrebig auf seinen Abgang hin.

Stöhnend kam ich ihm entgegen, schmiegte mich an, ging völlig mit ihm mit. Ich stöhnte mittlerweile bei jedem seiner Stöße und konnte mich kaum noch zurückhalten. Es war einfach nur geil.

„Bist du soweit?“, wollte er wissen.

„Schon längst“, keuchte ich.

„Na dann…“

Er glitt aus mir, stieß dann einmal hart zu und traf direkt meine Prostata. Ich zitterte und stöhnte noch lauter auf. Noch einmal. Und dann kam es mir mit solcher Macht, wie ich es lange nicht erlebt hatte. Ich schrie meine Lust regelrecht heraus, zuckte und wand mich unter ihm. Und auch Marcus stöhnte kehlig auf und gab sein Letztes. Mit einem Seufzer sackte er über mir zusammen. Gott war das gut. Ich war gekommen, ohne mich anzufassen. Langsam wich die Ektase tiefster Befriedigung.

„Danke“, hauchte ich nach einer Weile.

„Ich danke dir“, meinte er ernst, zog mein Gesicht etwas zu sich und küsste mich.

Noch ganz im Nachhall meiner Lust gefangen, bekam ich nur am Rande mit, wie sich Marcus ankleidete und das Zimmer verließ. Wohlig kuschelte ich mich in das Kissen, zog die Decke über mich und schlummerte mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen ein.

Der nervige Klingelton meines Handys riss mich aus süßen Träumen. Meine Mutter meinte mich daran erinnern zu müssen, dass wir etwa zur Mittagsstunde abreisen wollten. Seufzend quälte ich mich aus dem Bett. Ich musste grinsen, als ich den riesigen Fleck auf dem Laken sah und mir vorstellte, dass Marcus es abziehen würde. Zufrieden ging ich ins Bad, duschte mich und begann dann, meine Tasche zu packen. Als meine Eltern endlich von der Tagung kamen, hatte ich mich wieder so weit im Griff, dass ich ohne dieses verräterische Strahlen, das man nach gutem Sex hat, gegenübertreten konnte. Aber sie diskutierten derart angeregt über die Tagung, dass ihnen meine Veränderung vermutlich nicht aufgefallen wäre. Wir befanden uns bereits auf der Rückreise, als meiner Mutter ihr schweigsamer Sohn auffiel.

„Ist alles in Ordnung, Tobi?“ fragte sie nun doch besorgt und vielleicht mit etwas schlechtem Gewissen nach.

„Alles bestens“, beruhigte ich sie und sah durch das Fenster auf die vorbeiziehenden Häuser.

Ich musste über meine anfängliche Abneigung, hierher zu kommen, grinsen. Denn Bad Doberan ist geil und allemal eine Reise wert.

Mehr von
tom schuster

Kommentare

ScottClilk: Hello. http://jakshgy773733.us
Roman: Sehr schön bitte gib das schreiben nicht auf.
Klaus : Geil
Nick: Er wusste, dass der Kerl Marcus heißt, weil Christian den Namen gesagt hat, als es um den Chef vom Hotel ging... Also keine Ungereimtheit.
Ingo Mann: Woher wußte Tobias, dass der Typ, der in sein Zimmer kam, Markus hieß? Er hatte ihn doch vorher noch nie gesehen. Oder? Bis auf diese Ungereimtheit ist die Geschichte gut zu Lesen.

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